Sonntag, 20. November 2022

Fernweh: Verliebt in New Orleans

Pferdekutsche in New Orleans

Die schöne Herbstfärbung der Blätter erinnert mich an unsere Hochzeitsreise vor einigen Jahren in den Südstaaten der USA. Vor sehr, sehr langer Zeit habe ich den Krimi "Sündige Seide" von Sarah Brown gelesen. Die Geschichte spielte in New Orleans und während sich die Hauptcharaktere trotz der Morde drumherum ineinander verliebten, habe ich mich in New Orleans verliebt. Es wurde im Buch so lebendig und realistisch beschrieben, dass ich es riechen, schmecken und hören konnte. Ich wollte unbedingt mal hin, als Jazz-Liebhaber für meinen Mann und mich ohnehin ein Muss. Nachdem wir wetterbedingt unsere geplante Hochzeitsreise von Kanada auf USA ändern mussten, habe wir uns diesen kleinen Traum erfüllt und wurden nicht enttäuscht.

French Quarter New Orleans
St. Louis Cathedral New Orleans
Mississippi Dampfer New Orleans

Wir haben New Orleans einige Jahre nach den Verwüstungen durch Hurrikane Katrina besucht. Viele Touristen haben sich derzeit beklagt, dass es ihnen zu dreckig und unaufgeräumt sei. Wer sich an diese verheerende Naturkatastrophe erinnert, kann sich vorstellen, dass es manchmal auch einige Jahre braucht, bis "Normalität" wieder hergestellt werden kann. Aber, auch wenn New Orleans besonders hart betroffen war und immer noch sehr viele kleine Schönheitsfehler hat, hat all das dem Charme der Stadt keinen Abbruch getan. Ich kann nicht einmal sagen, was es genau ist. Vielleicht ist es diese Lässigkeit, die ich in anderen amerikanischen Städten so nicht kennengelernt habe. Eine Leichtigkeit, die den Moment genießen lässt, trotz der vielen sozialen Konflikte, die fortwährend aus der Vergangenheit in die Gegenwart getragen werden. Vielleicht ist es aber auch die Musik, die einen die Sorgen vergessen lässt. Während es mittags etwas ruhiger zugeht, kann es passieren, dass die Ruhe abrupt beendet wird. Spontan finden sich einige Jazz-Musiker zusammen, die voller Lebensfreude paar schnelle Nummern spielen, bevor sie genauso schnell wieder verschwinden.

Jazz Musiker New Orleans
 Jazz Musiker New Orleans

Während man woanders in USA seinen Alkohol in braunen Papiertüten verstecken muss, schlendert man in New Orleans durch die Straßen und Gassen vom French Quarter und genießt seinen Mint Julep, als wäre es das Normalste auf der Welt. Und was könnte Big Easy besser beschreiben, als die Bourbon Street. Man nennt sie auch berüchtigt, doch ich würde eher sagen, dass vor allem auf der Rue Bourbon Geschichte auf Gegenwart trifft und die große Unbeschwertheit zu Hause ist. Neben Etablissements, bei denen der Rest der Vereinigten Staaten rote Ohren bekommt, reihen sich gute Clubs, Jazz und Cocktail Bars aneinander und versprechen gerade Jazz-Liebhabern eine unvergessliche Zeit. 

Bourbon Street New Orleans
Bourbon Street New Orleans

Auch kulinarisch ist New Orleans sehr spannend. Aus den vielen Restaurants duften die verschiedensten kreolischen und Cajun Gerichte, die der europäischen Nase irgendwie bekannt vorkommen und trotzdem verführerisch fremd riechen. Alleine schon beim Gedanken an Gumbo, Jambalaya, Rotbarsch, Flusskrebse, Rockefeller Oyster oder Brotpudding läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Einfache Gerichte, mit europäischen, karibischen, afrikanischen und hispanischen Einflüssen, die die Vielfalt an Menschen mit ihren Traditionen in der Region wiederspiegeln. Wer sich darauf einlässt, wird auf eine kulinarische Reise in die Vergangenheit eingeladen - Geschichte zum Schmecken!

Kreolische Gerichte New Orleans
Markt New Orleans

Neben dem weltbekannten Karneval, ist New Orleans auch für sein Voodoo bekannt. Es gibt sehr viele "Voodoo-Shops" und ein gutes Voodoo-Museum, das man auf jeden Fall besuchen sollte, wenn man ein bisschen auch die örtliche "Relegion" und den Hintergrund verstehen möchte. Wer sich damit beschäftigt, wird auch schnell auf die Voodoo-Queen Marie Laveau stoßen, die wohl bekannteste Voodoo-Priesterin, die man auf dem bekannten Friedhof St. Louis Cementary heute noch (heimlich) um Rat und Hilfe bittet. Als wir in New Orleans waren, war der Friedhof noch frei zugänglich und gehörte zur "No-Go-Area". Schwer vorstellbar, weil wir hier wirklich sehr freundliche Menschen getroffen haben, mit denen wir schnell ins Gespräch gekommen sind. Auf der Gruft von Marie Laveau waren drei Kreuze zu sehen, die angeblich Wünsche erfüllen sollen. Mittlerweile ist die Gruft weiß gestrichen und man darf den Friedhof nur mit lizensierten Führern betreteten. Auch wenn es sich komisch anhört, dieser Friedhof lädt zum Verweilen auf und strahlt eine würdevolle Ruhe aus. Auf Grund der Tatsache, dass der Friedhof in einem Sumpfgebiet gebaut ist, finden hier die Bestattungen oberirdisch statt, so dass der Friedhof wie eine kleine Stadt mit kleinen weißen Häusern ausschaut. Absolut sehenswert!

Grab Marie Laveau New Orleans
Voodoo Shop New OrleansVoodoo Museum New Orleans

New Orleans hat aber weitaus mehr zu bieten als das French Quarter und das aufregende Ufer mit den großen Dampfschiffen am Missisippi. Wer Zeit und Lust hat, sollte sich in eins der nostalgischen St. Charles Streetcars setzen und auf gemütliche Art und Weise die Umgebung erkunden. Ihr könnt eure Touren damit einfach planen, sie fahren von der Innenstadt in fast alle Richtungen.

Uns hat es ganz besonders die Route Uptown und The Garden District angetan. Unglaublich prachtvolle und einzigartige Villen und Häuser, umsäumt von uralten Bäumen und wunderschön angelegte Gärten, haben uns mit ihrem Südstaaten-Charme sehr beeindruckt. Sogar die Gourmet Restaurants und Bars sind sehr distignuiert und ein krasser Kontrast zum bunten Treiben im French Quarter. Als wäre man nach paar Minuten Fahrt mit der Straßenbahn in einer anderen Welt gelandet.

St. Charles Streetcars New Orleans

St. Charles Streetcars New Orleans

Für uns, als passionierte Geocacher, bot die Stadt natürlich auch sehr viele spannende Geocaches. Der wohl allerbeste war jedoch ein Cache an der Canal Street, der leider mittlerweile deaktiviert ist. Der Cache-Inhaber arbeitete in einem Business-Gebäude und hat uns persönlich am Empfang abgeholt und auf das Dach des Gebäudes begleitet, wo wir den Cache loggen und den Ausblick genießen konnten. Es war einfach atemberaubend, wie man vom Dach aus auf ganz New Orleans, über das French Quarter und dem Mississippi River hinaus bis zum Meer schauen konnte.

New Orleans
Business District New Orleans

Ihr merkt sicherlich, diese Stadt hat es mir richtig angetan. Ich könnte noch Stunden erzählen, aber dafür haben wir wohl alle nicht die Zeit. Was ich aber nicht unerwähnt lassen will, ist ein kurzer Trip außerhalb der Stadt, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man in der Nähe ist. Nach einer Stunde Autofahrt ungefähr kommt man zu den Louisiana Plantagen. An der Great River Road befindet sich die wohl wunderschönste und größte, nach ihrer prachtvollen Eichenallee benannt - die Oak Alley Plantage. Wie die meisten Plantagen in den Südstaaten, hat auch Oak Alley eine bewegende Geschichte und diente oft als Filmkulisse. So kann man sich bei einer Tour in einem unglaublich schönen Herrenhaus von dem luxoriösen Leben der Herrschaften ein Bild machen. Zu diesem Bild gehören auch die bescheidenen Hütten der Sklaven, die mit ihrer harten Arbeit dieses pompöse Leben der anderen erst möglich gemacht haben. Im Anschluss daran, haben wir uns einen stillen Ort auf der Plantage gesucht und in voller Demut alles auf uns wirken lassen. Es ist gut, dass manche Zeiten vorbei sind - zumindest hier auf der Plantage.

Oak Alley Plantage
Oak Alley Plantage

Diese vielen unterschiedlichen Welten zeichnen New Orleans besonders aus, wie wahrscheinlich jede US-amerikanische Stadt in den Südstaaten. An einem Ende eine reiche, priveligierte und abgehobene Gesellschaft, mit ihrem zur Schau gestellten Wohlstand. Am anderen Ende bitterarme Viertel, die durch den Hurrikan Katrina noch ärmer wurden. Die aktuelle politische Lage zeigt noch einmal die Zerrissenheit des Landes, die verhärteten Fronten, wie ich sie auch in Europa leider zunehmend wahrnehme. Umso wichtiger scheint mir in diesen Zeiten diese sorglose und versöhnliche Unbeschwertheit, die ich damals in New Orleans kennengelernt habe: "Laissez les bon temps rouler". Lasst die guten Zeiten rollen und lasst uns alle miteinander wieder respektvoll und freundlich umgehen.

Alles Liebe

Mila

P.S.: Meine Beiträge findet ihr auch bei folgenden Linkpartys: ★ Montagsfreuden KiddikramCreativsalatHandmade on TuesdayDings vom Dienstag Froh und Kreativ The Creative Lovers Freutag  ★ Freitagsfüller Gartenwonne Decorize Samstagsplausch Lieblinsgsstücke Magic Crafts UFO

Mittwoch, 21. September 2022

DIY: Laterne aus Klötzchen und Holzeperlen

 
Ich gebe zu, manchmal gehen manche Trends an mir vorbei. Deswegen war ich überrascht, als ich vor Monaten irgendwo was von Klötzchenfieber gelesen hab. Klötzchen was? Als ich mich erkundigt habe, dachte ich nur: "Ach so, Basteln mit Holzresten". Auf jeden Fall finde ich, dass das "Klötzchen-Fieber" eine gelungene Marketingstrategie ist, wenn man bedenkt, dass jemand clever genug war, aus Holzresten einen Trend zu machen. Einer, der sich scheinbar bei Etsy auch gut verkaufen lässt. Es gibt hunderte Anbieter, mit fast den gleichen Klötzchen-Angeboten.

Sonntag, 4. September 2022

Kinderkram: Piratenparty mit Motiven aus einer Serviette

Ahoi Piraten! Lasst uns den Anker lichten und in See stechen. Der kleine Mensch hat seinen vierten Geburtstag gefeiert und sich eine Piratenparty gewünscht. Harr, harr! Die liegt zwar einige Zeit zurück, aber das Piratenschiff hatte sich auf hoher See in so viele Abenteuer gestürzt, dass ich jetzt erst darüber berichten kann. Dann wollen wir mal unter Jack Black lossegeln!

Dienstag, 30. August 2022

DIY: Herbstzauber im August


Was soll ich sagen. Der Regen der letzten Wochen ist konsequent an uns vorbeigezogen. Im Garten gieße ich nur noch das Nötigste und hoffe, dass der Rest vom Morgentau etwas erfrischt wird. Wenn ich unseren gelben Rasen ansehe, der langsam von braunen Blättern bedeckt wird, könnte man meinen, wir haben schon ein paar Wochen später. Dementsprechend bin ich schon so richtig in Herbstlaune und habe einfach mal angefangen im August herbstlich zu dekorieren. Normal finde ich das nicht, aber wenn es schon unter den Füßen raschelt...

Montag, 29. August 2022

DIY: Lesezeichen mit Laser Cutter


Letztens wurde Geburtstag gefeiert. Da habe ich mal geschaut, was ich im Keller für Materialien habe und habe mit Holzresten ein paar Lesezeichen als Mitgebsel gefertigt. Die Kinder konnten sich die Motive selber aussuchen. Dann habe ich passende Motive im Internet gesucht, als SVG-Datei zum Cutter geschickt und nach paar Minuten waren die Lesezeichen fertig. 

Sonntag, 12. Juni 2022

DIY: Omas größter Schatz

Omas Schatzkiste

Heute gibt es eine kleine Schatztruhe als Geschenk für die Oma. Die Oma heißt eigentlich Heide, aber da sie Mama und Oma ist, wird sie auch Heidemoma genannt. Was könnte wohl Omas größter Schatz sein?

Montag, 23. Mai 2022

DIY: Werkstattschild zum Vatertag


Da der liebe Papa hobbymäßig Holzwerker ist und sich gerade seine Werkstatt neu einrichtet, bekommt er dieses Jahr zum Vatertag ein Holzschild, damit man auch weiß, wessen Werkstatt in der Garage entsteht. Das heutige DIY habe ich mit meinem Flux Laser Cutter umgesetzt. Ihr könnt es aber auch mit einem Plotter machen und Bastelkarton nehmen. Die Vorlage dafür habe ich günstig hier bekommen und in der Flux Software die Schrift angepasst.

Dienstag, 10. Mai 2022

Aus Alt mach Neu: Gartendeko aufhübschen

 

Unsere Eule, Erika von Gartenschön, steht schon seit Jahren bei uns am Hauseingang und bewacht das Tor. Leider haben das Wetter und paar Stürme Erika übel mitgespielt, so dass es man ihr das Alter ansehen konnte. An für sich finde ich es nicht schlimm, wenn Sachen im Garten altern, das tun wir Menschen ja auch. Erika hatte aber ein Loch im Kopf und damit da nicht Wasser reinfließt, bei Frost friert und Erika zum Platzen bringt, wollte ich unserer lieben Eule was Gutes tun. 

Sonntag, 1. Mai 2022

DIY: Kerze und Holzschild 2 in 1 zum Ruhestand

Ich bin ein bisschen traurig. Meine älteren Kolleginnen und Kollegen gehen dieses und nächstes Jahr in den wohl verdienten Ruhestand. Für eine liebe Kollegin, die uns diesen Monat verlässt und die ich sehr vermissen werde, habe ich statt einer Karte ein Holzschild von uns alle gemacht. Das Besondere daran ist, wenn sie keine Lust mehr auf den Rentnerinnen-Spruch hat, kann sie das Schild umdrehen und da steht: 

"Das Leben ist eine Reise. Glück finden wir auf dem Weg nicht am Ziel."

Donnerstag, 21. April 2022

Upcycling: Trödelmarkt-Ausbeute

 
Ist das nicht seltsam? Je älter ich werde, desto eher erkenne ich den Wert alter Sachen und die Handwerkskunst dahinter. Früher war ich immer total gelangweilt, wenn mich meine Eltern zum Trödelmarkt geschleppt haben. Heute sehe ich das etwas anders. Je nach Qualität des Trödelmarkts ist es manchmal wie ein Ausflug in ein Freiluftmuseum, nur dass man die Sachen auch erwerben kann. An Ostern war wieder so ein toller Trödelmarkt und da wir relativ spät da waren, habe ich unglaubliche Schnäppchen gemacht. Die meisten davon werde ich ein wenig verändern, aber trotzdem freue ich mich darüber, dass diese Stücke irgendwie weiterleben werden.